Ein Blick in unser Modellbau-Atelier
Jedes Projekt, das unser Büro verlässt, hat vorher auf unserem Modelltisch gestanden — meistens gleich mehrfach. Wir arbeiten seit der Bürogründung 1998 mit physischen Arbeitsmodellen, obwohl inzwischen jede Software der Welt einen fotorealistischen Rendering-Flug durchs virtuelle Gebäude anbieten könnte. Der Grund ist simpel: Ein Modell in der Hand zeigt Maßstab und Proportion auf eine Weise, die ein Bildschirm nicht ersetzt.
Der erste Modellbau in einem Projekt ist fast immer grob: Styrodur, Cutter, Heißkleber, Maßstab 1:500 oder 1:200, fertig in einem Nachmittag. Es geht dabei nicht um Schönheit, sondern um Fragen: Wie verhält sich der Baukörper zu den Nachbargebäuden? Wirft er im Winter einen Schatten auf den Garten nebenan? Wie groß ist der Höhenunterschied zum Hang wirklich, wenn man ihn nicht am Bildschirm, sondern auf dem Tisch vor sich sieht? Diese ersten Modelle wandern oft noch am selben Tag wieder in den Papierkorb — sie haben ihren Zweck erfüllt, sobald die Frage beantwortet ist.
Später, wenn der Entwurf steht, bauen wir ein zweites, sorgfältigeres Modell im Maßstab 1:100 — mit echten Materialproben, wo es geht: kleine Lärchenholzleisten für eine Fassade, ein Stück Stampflehm-Muster für die Wand des Weinguts Sonnenhalde, das wir eigens für dieses eine Modell angerührt haben. Dieses Modell ist es auch, das wir Bauherren zeigen, bevor der erste Bauantrag gestellt wird. Die Reaktionen darauf sind ehrlicher als bei jeder Präsentation am Bildschirm — man sieht sofort, ob jemand das Volumen tatsächlich verstanden hat oder nur höflich nickt.
Unser Atelier hat einen eigenen Modellbau-Tisch mit Absauganlage, Cutter-Sets in drei Klingenstärken, einem Fundus aus Sperrholz-, Balsa- und Plexiglasresten, sortiert nach Stärke. Zwei unserer Mitarbeiterinnen haben ursprünglich Modellbau gelernt, bevor sie Architektur studierten — eine Kombination, die man in Bewerbungen selten sieht, die uns aber regelmäßig weiterhilft, wenn eine Fassadendetail-Frage schneller mit der Laubsäge als mit der Maus beantwortet ist. Ein Bildschirm-Rendering verkauft ein Projekt. Ein Modell in der Hand erklärt es.