Koordination

Wie wir Gewerke-Kollisionen vor der Baustelle finden

Ein Kollisionslauf ist im Kern eine einfache Frage: Belegt ein Lüftungskanal denselben Raum wie ein Stahlträger? Bei einem größeren Hochbauprojekt mit vier bis sechs Fachplanern lässt sich diese Frage tausendfach pro Woche mit Ja beantworten — wenn man sie nicht vorher stellt.

Wir führen die Fachmodelle von Architektur, Tragwerk, TGA und Elektro ab der Entwurfsplanung in einem gemeinsamen, koordinierten Modell zusammen und lassen einmal wöchentlich einen automatisierten Kollisionslauf gegen feste Toleranzwerte laufen — nicht erst zu Planungsmeilensteinen. Der Unterschied ist keine Formsache: Ein Widerspruch, der in der Entwurfsplanung auffällt, kostet eine Planänderung am Bildschirm. Derselbe Widerspruch, der erst auf der Baustelle auffällt, kostet einen Nachtrag, einen Bauzeitverzug und im schlechtesten Fall einen Rückbau.

Wir unterscheiden drei Kollisionsklassen. Harte Kollisionen sind echte geometrische Durchdringungen — ein Kanal, der durch einen Unterzug läuft, wo kein Durchbruch vorgesehen ist. Weiche Kollisionen sind Abstandsunterschreitungen, etwa wenn für die Wartung eines Lüftungsgeräts der vorgeschriebene Freiraum fehlt. Toleranzkollisionen betreffen Bauteile, die sich zwar nicht berühren, aber enger beieinanderliegen, als es die jeweilige Ausführungstoleranz zulässt. Nur die ersten beiden Klassen blockieren die Freigabe eines Planungsstands; Toleranzkollisionen werden dokumentiert und im nächsten Planlauf beobachtet.

Am häufigsten kollidieren bei uns Lüftungskanäle mit Unterzügen entlang der Fassadenachsen — dort, wo die TGA aus praktischen Gründen möglichst direkt zur Fassade will und das Tragwerk aus statischen Gründen genau dort seine Auflager braucht. Diese Konflikte lösen wir nicht am Bildschirm allein: Ein wöchentlicher Kollisionslauf erzeugt eine Liste, die anschließend im Koordinationsgespräch zwischen den betroffenen Fachplanern Punkt für Punkt durchgegangen wird, mit einer verantwortlichen Person und einem Termin je offenem Punkt. Bei einem mittelgroßen Hochbauprojekt bewegt sich diese Liste in der Entwurfsplanung typischerweise im niedrigen dreistelligen Bereich — und sinkt bis zur Ausführungsplanung auf einen niedrigen zweistelligen Rest, der dann tatsächlich noch offene Entwurfsentscheidungen betrifft, keine Nachlässigkeiten.